In dem nach dem Militärputsch vom 12. September in der Türkei entstandenen neuen Klima, das wir als neorechtskonservative und neoliberale Strömung bezeichnen können, fanden Religionsgemeinden und Sekten die Möglichkeit, durch die Erweiterung ihrer Wirkungs- und Wachstumsfelder in weite Teile der Gesellschaft vorzudringen. Auch die chronischen Probleme des bürgerlichen Stadtlebens, wie Urbanisierung und Urbanität sowie Defizite in der sozialen Infrastruktur, wie Bildung/Kultur/Gesundheit wirkten sich auf diese Expansion aus. Politiker und politische Parteien haben als kurzfristige Wahlinvestitionen nur zugeschaut bei der Ausdehnung des „politischen Islams“, der die Gemeinden vertrat.
Jahrelang wurden Menschen in der Gemeinde mit dem Spruch „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem Teufel und der Politik“ von der Politik ferngehalten (!) und an eigenen Auswahlen gehindert. Das Handeln mit einem einzigen Willen und aus demselben Zentrum durch einen Verstand, der im Geist der Sache verwaltete, wurde eine Struktur errichtet, die nicht hinterfragt, keinen Spiegel vorhält und völlig blind gegenüber ihren eigenen Fehlern ist. Einige von ihnen haben dies nicht bemerkt, einige von ihnen haben es bemerk haben sich aber nicht geäußert oder konnten sich nicht äußern und einige von ihnen haben sich nicht darum gekümmert, weil sie diejenigen waren, die es getan haben.

Der Tag ist gekommen, an dem die Aussage von F. Gülen „Wir stehen zu allen politischen Parteien im gleichen Abstand“ zum Leitfaden wurde. Was hatte sich geändert! Wir sollten doch vor der Politik wie vom Teufel davongelaufen. Wer für eine politische Partei kandidieren wollte, musste sich entweder für die Religionsgemeinde oder für die Politik entscheiden. Aber „jeder Weg ist erlaubt“ für die Hizmet, (Dienung) nicht wahr? Augenscheinlich wurde ja die ganze Arbeit für Allah getan.
Es war eine große Wohltat, Stimmen für die aktuelle Regierung zu sammeln,- solange ihre Interessen übereinstimmten. Große und kleine Schwestern, große und kleine Brüder reisten bei den Wahlen 2010 durch Land und Tal, sogar die Parteimitglieder lobten sie, dass sie selber nicht so viel arbeiten wie sie, und diese Situation wurde in allen Versammlungen immer wieder erklärt, um die Leute hinzureißen und der Lohn, der unter Tränen geleisteten Arbeit, wurde in aller Frieden als Wohltat an sich genommen.

Der Tag war gekommen an dem man an eine Abzweigung gekommen ist. Vielleicht war es eine zwangshafte Abzweigung. Der Ausdruck, jeder Partei im gleichen Abstand zu stehen war das Beste aller Politik, aber die Mitglieder der Gemeinde konnten es nicht auf sich stehen lassen. Diesmal wurden die Kandidaten aller anderen Parteien unterstützt, um die aktuelle Regierung zu besiegen. Dazu wurden Versammlungen von Provinz zu Provinz, Bezirk zu Bezirk abgehalten, um zu bestimmen und zu beobachten, welcher Kandidat welcher Partei zu wählen sei. Es wurden Bündnisse mit Parteien geschlossen, mit der sich normalerweise zu keiner Zeit und an keinem Ort eine islamische Gemeinde zusammenschließen würde, sogar mit solchen, an die die Gemeinde niemals dachte hätte.
Dazu wurde in den USA bei einer Zusammenkunft mit den Imamen der Regionen aus der Türkei Gespräche geführt. Es wurde sogar bis dahin gesprochen, wie viel finanzielle Unterstützung einigen Kandidaten gewährt werden solle. Wozu war das alles? Natürlich wie immer um „Allahs willen“ zu erlangen. Wann immer die Gemeinde in Schwierigkeiten geraten war, wurden Abgeordneten, die gut zu sprechen wussten, Informationen unter der Hand zugesendet, damit sie die Gemeinde verteidigen. Ich weiß nicht, ob diese Menschen, die die Gemeinschaft und ihre Mitglieder zu verteidigen schienen und die grundlegenden Menschenrechte immer ansprachen, nur Werbung für sich selbst und ihre eigene Partei machen wollten.

Aber ich persönlich weiß aufgrund der Mahrem-Struktur (Geheime-Struktur), in der ich mich damals selbst befand, dass dieses auf Grund der Anweisung von F. Gülen persönlich und den hochrangigen älteren Gemeindebrüdern gemacht wurde.
Jetzt frage ich Menschen, die dieser Gemeinschaft ihr Herz geschenkt haben und an deren Unschuld ich glaube. Haben wir durch die Stimmen, die für die HDP gewonnen wurden, der PKK -die unser Land, unsere Nation und unsere Soldaten angegriffen- materielle und moralische geholfen oder nicht? Klebt auch nicht auch ein Teil des Blutes unserer Märtyrer an unseren Händen? Können wir so einfach sagen, dass die Sache, an die wir glaubten, es erforderte? Vergessen wir nicht, dass die höchste Fatwa-Instanz unser Gewissen selbst ist!
